Baumschnittkurs 2015

„Gutes Obst aus dem Garten gibt’s nur bei optimaler Schnittpflege!“

Der Obst- und Gartenbauverein Ditzingen e.V. gibt praktische Tipps zur Pflege von Obstbäumen

Der Vorsitzende des OGV Ditzingen e.V., Herr Günter Jörg, begrüßte die knapp 40 Interessierten sehr herzlich zum Winterschnittkurs in der Glemsaue.

Danach übergab Herr Jörg die Regie an unser Mitglied, Herrn Walter Herwig, Fachwart für Obst und Garten. An dieser Stelle bedanken wir uns bei Herrn Herwig für seinen sehr gut vorbereiteten Vortrag und die Durchführung des Schnittkurses.

Ebenso bedanken wir uns bei der  Baumschule Müller, Poppenweiler für  den gesponserten 2-jährigen Halbstamm der Sorte ‚Topaz‘ zum heutigen Schnittkurs.

 „Geschnitten wird im Winter!‘ (so die allgemeine Aussage früherer Tage)

Winterschnitt (während der vegetationslosen Zeit) bedeutet Triebförderung – Sommerschnitt (in der Vegetationsperiode) heißt Triebberuhigung.

Die Vorteile/Nachteile des Winterschnittes wurden erläutert – ebenso das ‚Wieso / Warum‘ überhaupt schneiden. Der Pflanzen-, der Erziehungs-, der Erhaltungs-  sowie der Erneuerungs- oder Auslichtungsschnitt war ein weiteres Thema im Leben eines Obstbaumes. Dargestellt wurde das ‚Wegschneiden‘ – das ‚Anschneiden‘ sowie das ‚Ableiten‘ von Ästen und Zweigen. Starker, schwacher oder kein Schnitt sowie die Reaktionen daraus an den Bäumen wurde aufgezeigt. Die Funktion der Aststellungen – ‚steil wächst‘ / ‚flach trägt‘ / ‚hängend stirbt ab‘ ist ein wichtiges Kriterium des Obstbaumes und des daraus resultierenden Ertrages.

Das Thema ‚Physiologisches Gleichgewicht‘- gleiches Holzwachstum und Fruchtansatz wurde angesprochen – ebenso die Reaktion des Baumes bei einer vorhandenen Ungleichheit. Auch wird ein lange nicht mehr geschnittener Baum über einen Zeitraum von 2-3 Jahren wieder in Form gebracht. Radikale Aktionen bringen nur Wassergeschosse, sprich viel Holz. Das Fruchtverhalten geht komplett daneben.

Licht ist zu 80 % größter Ertragsfaktor – Bewässerung und Dünger machen lediglich 20 % aus. D.h., der Baum braucht einen regelmäßigen Schnitt. Damit trocknen bei Nässe die Blätter schneller ab und  es gibt weniger Schädlinge/ Krankheiten.

Spruch aus vergangenen Tagen: ‚Einen Hut sollte man durch die Krone werfen können!  - das galt früher schon und gilt heute noch stärker!

Nach neueren Erkenntnissen  ist aber der Winterschnitt eher heute die Ausnahme. Je nach Bedarf gibt es heute keine starren Schnittzeiten ausschließlich im Winter. Es wird vielmehr heute im Frühjahr bzw.  im Sommer geschnitten. Der ‚Juniriss‘ ist ein ebenso wichtiger Abschnitt – junge Triebe werden mitsamt dem ‚schlafenden Auge‘ ausgerissen.  Dies führt beim Baum zur Beruhigung und das Fruchtverhalten verbessert sich.

Ein Winterschnitt wird allgemein beim Kernobst (Apfel, Birne und Quitte) durch-geführt (von Nov. bis zur Vorblüte je nach Bedarf des Obstbaumes).

Steinobst dagegen wird in der Vegetationsruhe (Nov. - Ende Febr.) nicht geschnitten! Die Wundheilung ist sehr schlecht und die Gefahr des Befalls mit gefährlichen Rindenkrankheiten besteht.

Aber: Langjährige Erfahrungen zeigen, dass starke Fröste von ungeschnittenen bzw. im Sommer geschnittenen Bäumen insgesamt besser verkraftet werden.

Wichtig: Jungbäume (bis 5 Jahre während des Erziehungsschnittes!) erst Anf. März schneiden.

An dem 2-jährigen Halbstamm der Sorte ‚TOPAZ‘ wurde ein fachmännischer Pflanzenschnitt durchgeführt. Dabei wurde die ‚Rundkrone‘ als Kronenform gewählt – 1 Stammverlängerung sowie 3 Leitäste (Mercedesstern!) und es wurde auf Saftwaage geschnitten. Die Stammverlängerung wird ca. 1 Scherenlänge über den Leitästen geschnitten. 

Diverse Tipps hierzu in Theorie (nur resistente und virusfreie Ware nehmen!) sowie in der praktischen Handhabung bis zum Einpflanzen wurden unterbreitet. 

Beachte: Aufbau des Jungbaumes mit einem stabilen Kronengerüst kommt vor Ertrag! Sollten bei einem Jungbaumes erforderliche Schnitte ausbleiben, so ist mit einer schnellen Vergreisung und einem relativ frühen Absterben zu rechnen.

An einem 3-jährigen Apfel-Ast konnte die Fruchtbarkeit in Form von Fruchtholz, Blüten- und Blattknospen aufgezeigt werden. Flache Knospen deuten auf Blätter, abstehende, rundliche Knospen auf Blüten hin. Gezeigt und erläutert wurden auch die Jahresringe – sprich der jeweilige jährliche Triebzuwachs beim Ast.

Die elementar wichtigen und vor den Teilnehmern aufgebauten, bzw. bereitgestellten Hilfsmittel - von der standsicheren Leiter bis zum 70 % Alkohol zur Desinfizierung der Werkzeuge nach jedem Baumschnitt wurden erläutert. Nur scharfe und gut eingestellte Werkzeuge bringen ein gutes Schnittergebnis.

Bei der weiteren praktischen Phase des vor den Teilnehmern vorhandenen  Apfelbaumes  wurde die Entwicklungsphase, das Erscheinungsbild, der Wuchs-Charakter (Habitus!) insgesamt bewertet. Dies geschah durch das mehrmalige herumgehen des Baumes. Ein fast waagrecht vorhandener Leitast wurde mit einem Kokosstrick in den richtigen Winkel hochgebunden. Die Vitalität (ausreichend Jahrestriebe vorhanden), der Kronenaufbau, die Stellung der Leit- und Seitenäste (incl. Fruchtholz) sowie der allgemeine Zustand  wurden betrachtet. Danach wurde entschieden, wie und wieviel geschnitten wird. Der Schnitt beginnt von oben, Leitäste für Leitäste werden bearbeitet. Vorhandene Triebe, die nicht benötigt, die sich reiben, kreuzen, zu eng stehen oder nach innen wachsen, werden entfernt. Das Schneiden von dicken,  schweren Ästen in 2 Stufen wurde aufgezeigt. Damit wird ein Ausreißen der Rinde vermieden. Große Wunden (mehr als 8-10 cm!) durch Ableitungsschnitte vermeiden, sonst ggfs. im Sommer schneiden Dabei ist eine bessere Überwallung (gute Kallusbildung) gegeben. Die nicht mehr unter Naturschutz stehenden Misteln in Obstbäumen sollten entfernt werden – diese können die Bäume schwächen.

Wichtig: Noch vorhandene Fruchtmumien im Baum sowie heruntergefallene Früchte  möglichst entfernen - gleiches gilt für das Laub. Damit ist eine erhebliche Reduzierung von eventuellen einzusetzenden Pflanzenschutzmitteln möglich. Insgesamt ist dadurch eine bessere Baumgesundheit gegeben.

Gezeigt wurden auch 3-5-jährige Sauerkirschen-, Süßkirschen- und Pfirsichästen. Diese zukünftig auf 1, 2 oder 3-jährige Langtriebe beim jährlichen Schnitt zu produzieren, gilt als Hauptargument einer ständigen Erneuerung. Der rechtzeitige Entfernen von abgeernteten Fruchtästen ist ebenfalls ein wichtiges Kriterium.

Einige gute Fachbücher zum Nachschlagen zu Fragen des Obst- und Gartenbaues wurden den Teilnehmern zur Einsichtnahme bereitgestellt sowie gut aufgebaute Internetadressen aufgelistet.

Zum Schluss wurden den Teilnehmern noch verschiedene Schnitttechniken an mehreren Jung- und Altbeständen gezeigt.

 

Bilder vom Baumschnittkurs 2015:

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